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Rückblick


Ein Mut-mach-Stück für kranke Kinder

Die Wahl der richtigen Kleidung ist gelegentlich nicht unerheblich für den Erfolg einer Unternehmung. In diesem Fall sind die Socken das ganz entscheidende Element: hübsche, bunte Socken mit Gummipunkten an der Sohle, die es einem möglich machen, sich sicher auf rutschigem Terrain zu bewegen. In solchen Socken steckten die Puppenspieler der Augsburger Puppenkiste in der vergangenen Zeit immer mal wieder. Denn nur derart ausstaffiert lässt sich das Stück »Das kleine Känguru und der Angsthase« auf glattem Klinikboden verschiedenster Kinderkrankenhäuser anständig spielen - und man sieht noch gut aus dabei, zumindest an den Füßen.

Das Projekt hat seine Wurzeln in der Zusammenarbeit zwischen Marionettentheater und »Buntem Kreis«, jenem Verein aus Augsburg, der Familien behinderter oder schwerkranker Kinder betreut. Die Grundidee war, auch den kleinen Patienten ein bisschen Freude zu bereiten, denen ein Besuch im Theater selbst nicht so einfach möglich ist. Hausautor Peter Scheerbaum arbeitete dafür das gleichnamige Kinderbuch von Paul Maar so um, dass es als »Mutmach-Stück« mit vier Personen auf einer kleinen Bühne gespielt werden kann. Daraus wurde für die Puppenkiste gleich eine Art Tournee: Dank Unterstützung der »Hexal Foundation« konnte sich seit dem Frühjahr 2003 immer wieder ein Trupp Spieler im orange-grauen Tourmobil aufmachen, Kinderkrankenhäuser in ganz Deutschland zu besuchen.
Für alle Beteiligten Neuland: So war es doch zu Beginn der Aktion noch eher ungewohnt, in offener Spielweise vor dem Publikum zu stehen, doch mittlerweile hat sich für die Akteure herausgestellt, dass dies eine ganz eigene, neue Art des Puppenspielens mit eigenen Chancen und Risiken darstellt.

Und die Kinder scheinen es zu lieben, wenn die Spieler zur Musik von Rolf Zuckowski ihre Spielsocken überstreifen und die großen, bunten »Überraschungs-Bonbons« öffnen, die Hans Kautzmann als Kulissen entworfen hat. Zum Vorschein kommen zum Entzücken des Publikums der gedeckte Esstisch, an dem das kleine Känguru den Entschluss fasst, der Mama zum Geburtstag ein Geschenk zu machen; oder die Springmaus im Liegestuhl, die gute Ideen für einen Geburtstagskuchen hat; oder der Angsthase hinterm Gartentürchen, der sich schlotternd, aber tapfer bereit erklärt, den beiden beizustehen, wenn fürs Backen Beeren gesammelt werden sollen; und schließlich ein finsterer Wald und eine Schlucht, die allerlei Geheimnisse bergen.

All dies wird mit einfachen Mitteln auf die »Bühne« gebracht - im Stations-Spielzimmer oder der Betriebskantine. Und am Ende geht`s zu wie im Streichelzoo, denn die Kinder dürfen die tierischen Hauptakteure auch anfassen und verabschieden. Und diejenigen, die wegen ihrer Krankheit ihr Zimmer nicht verlassen konnten, bekommen nochmal extra Besuch von den beiden Hauptdarstellern, die mit Riesen-Hopplern ans Bett eilen, um Genesungswünsche zu überbringen und ein bisschen zu plaudern.


Die Resonanz auf das Projekt war bislang überwältigend positiv. »Lieber Angsthase«, schreibt die kleine Maja, »ich hab dich ganz doll lieb«. Ihr Bild hängt in unserem Aufenthaltsraum.




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